30.09.2026

Ein Charakterkopf mit Brille

Dunkle Ringe um die Augen, weiche Wolle und eine Geschichte voller Eigensinn: Das Villnösser Brillenschaf ist Südtirols älteste Schafrasse – und vom 9. bis 18. Oktober stehen seine Spezialitäten bei den Lammwochen im Mittelpunkt.

Südtirols älteste Schafrasse

Wer im Sommer durch die Almen unter den Geislerspitzen wandert, begegnet ihm früher oder später: einem Schaf, das aussieht, als hätte es seine Lesebrille aufgesetzt. Die dunkle Pigmentierung rund um die Augen ist das Markenzeichen des Villnösser Brillenschafs – und hat ihm seinen Namen gegeben.

Die Rasse entstand im 18. Jahrhundert aus einer Kreuzung des heimischen Bergschafs mit dem Paduaner Seidenschaf und ist damit die älteste Schafrasse Südtirols. Beinahe wäre sie verschwunden. Dass es sie heute wieder gibt, ist engagierten Züchterinnen und Züchtern zu verdanken, die über strenge Zuchtlinien – Körperbau, Wolle, Pigmentierung – ihren Fortbestand sichern.

Seit 2011 ist das Villnösser Brillenschaf eines von sechs Slow Food Presidi in Südtirol. Ein Presidio schützt Lebensmittel, Rassen und Handwerk, die vom Aussterben bedroht sind – und die Menschen, die sie am Leben erhalten.
 

Was das Brillenschaf so besonders macht:

  • Die Wolle: sehr weich, hautfreundlich und elastisch, dazu wärme- und feuchtigkeitsausgleichend
  • Das Fleisch: feinfaserig, zart und besonders mild – geprägt von den Kräutern der Hochalmen
  • Der Charakter: genügsam, robust und perfekt an das Leben in den Dolomiten angepasst

Vier Dinge, die du über das Brillenschaf noch nicht wusstest

Ein Schaf im Gams-Kostüm: Eigentlich ist es ein Schaf – im Sommer benimmt es sich aber wie eine Gämse. Als echtes Hochgebirgsschaf klettert es trittsicher auf über 2.000 Metern mitten durch die steilen Dolomitenfelsen.

Die „selbstreinigende" Fußballmannschaft: Aus der Wolle einer einzigen Schur lassen sich rund 16 Mützen stricken – genug für eine ganze Fußballmannschaft samt Ersatzbank. Und das Kuriose: Die naturbelassene Wolle weist Schmutz und Gerüche so gut ab, dass die Mützen als „selbstreinigend" gelten.

Rebellen auf vier Hufen: In der NS-Zeit sollte die Rasse durch ein „Einheits-Bergschaf" ersetzt werden – sie galt den Machthabern als zu klein und zu mager. Die Villnösser Bauern dachten nicht daran: Sie versteckten ihre Brillenschafe heimlich auf abgelegenen Berghütten und retteten sie so vor dem Verschwinden.

Adelige Gene: Die schicke Brille verdankt das Schaf seinen Ahnen: Über das Paduaner Seidenschaf fließt modisches italienisches Blut durch seine Adern.

Lammwochen vom Villnösser Brillenschaf – 9. bis 18. Oktober 2026

Wenn die Schafe im Herbst von den Almen zurückkehren, beginnt in Villnöss und Lüsen die Zeit der Lammwochen. Zehn Tage lang servieren ausgewählte Gastbetriebe kreative und traditionelle Gerichte vom Villnösser Brillenschaf – regional, saisonal und ganz im Sinne der Slow-Food-Philosophie. Begleitet werden die Genusstage von Lammwanderungen, Weinverkostungen und weiteren Veranstaltungen rund um bäuerliche Kultur und regionale Kreisläufe.

Teilnehmende Betriebe in Villnöss: Jausenstation Moar · Gasthof Teiser Stern · Hotel/Restaurant Fines · Hotel Tyrol · Restaurant/Pizzeria Viel Nois · Restaurant Pitzock · Hotel Kabis · Geisleralm · Restaurant/Pizzeria Waldschenke · Restaurant/Pizzeria Dreimädelhaus · Villa Messner

Teilnehmende Betriebe in Lüsen: Restaurant Tal · Naturhotel Lüsnerhof

Dazu kommen weitere Gastbetriebe in ganz Südtirol. → Alle Infos zu den Lammwochen

Für kleine Hände: Filzen mit Schafwolle

Am 17. Oktober verwandeln Kinder im Naturparkhaus Puez-Geisler in St. Magdalena echte Villnösser Schafwolle unter fachkundiger Anleitung in kleine Kunstwerke – ein Nachmittag zum Anfassen, Kneten und Staunen.

  • Für: Kinder von 6 bis 12 Jahren
  • Kosten: kostenlos
  • Anmeldung: bis 17:00 Uhr am Vortag im Naturparkhaus Puez-Geisler, T +39 0472 842523, info.pg@provinz.bz.it

→ Zum Filznachmittag

Ein Stück Villnöss für zu Hause

Wer die Wolle des Brillenschafs mitnehmen möchte: Bei Naturwoll wird heimische Schafschurwolle zu wertvollen Naturprodukten verarbeitet. Lammspezialitäten wie Schinken, Salami und Lammwurz sowie gestrickte Mützen gibt es außerdem bei Furchetta in Villnöss.

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Erfrischung im Einklang mit der Natur

Mitten im Dorf und doch eine Welt für sich: Der Naturbadeteich in Lüsen ist der Gegenentwurf zu gechlorten Sportbecken und lauten Erlebnisbädern. Hier badet man in klarem, weichem Gebirgswasser, das ganz ohne chemische Zusätze auskommt. Das biologische Gleichgewicht wird allein durch eine geschickte Bepflanzung und natürliche Filterzonen aufrechterhalten.

10. 07. 26